Wellpappe bedrucken: So funktioniert der Flexodruck

Eine Verpackung schützt nicht nur das Produkt. Sie informiert, erleichtert die Logistik und kann als Werbeträger die Aufmerksamkeit des Kunden gewinnen. Deshalb werden viele Kartons und Verpackungen aus Wellpappe mit Logos, Produktinformationen, Barcodes, Warnhinweisen oder farbigen Motiven bedruckt.

Das wichtigste Druckverfahren für Wellpappe ist der Flexodruck. Er ermöglicht das schnelle und wirtschaftliche Bedrucken großer Wellpappenbogen – von einem einfachen einfarbigen Aufdruck bis zur mehrfarbigen Verkaufsverpackung.

Was ist Flexodruck?

Der Flexodruck ist ein direktes Hochdruckverfahren. Gedruckt wird mit einer flexiblen Druckplatte, auf der die druckenden Bereiche leicht erhöht angeordnet sind.

Vereinfacht funktioniert das Verfahren wie ein Stempel:

  1. Eine Rasterwalze nimmt eine genau dosierte Farbmenge auf.
  2. Die Farbe wird auf die erhöhten Bereiche der flexiblen Druckplatte übertragen.
  3. Die Druckplatte überträgt das Motiv direkt auf den Wellpappenbogen.

Für jede Druckfarbe wird normalerweise ein eigenes Druckwerk mit einer eigenen Druckplatte verwendet. Eine mehrfarbige Gestaltung entsteht, indem der Bogen nacheinander durch mehrere Druckwerke läuft.

So gelangt die Farbe auf die Wellpappe

So kommt die Farbe auf den Karton

Die Druckfarbe wird zunächst in einer Rakelkammer bereitgestellt. Von dort gelangt sie auf die Rasterwalze, deren Oberfläche aus vielen kleinen Vertiefungen besteht. Diese Vertiefungen werden als Näpfchen bezeichnet.

Eine Rakel entfernt überschüssige Farbe von der Oberfläche. Dadurch verbleibt nur eine definierte Farbmenge in den Näpfchen der Rasterwalze.

Die Rasterwalze überträgt die Farbe anschließend auf die erhöhten Bereiche der Druckplatte. Beim Kontakt mit dem Wellpappenbogen wird das Druckmotiv auf dessen Deckpapier übertragen.

Die wichtigsten Bestandteile eines Flexodruckwerks

Bestandteil Aufgabe
Rakelkammer führt die Druckfarbe zu und verhindert Verunreinigungen
Rakel entfernt überschüssige Farbe von der Rasterwalze
Rasterwalze dosiert und überträgt eine gleichmäßige Farbmenge
Druckplatte enthält das spiegelverkehrte Druckmotiv
Druckformzylinder trägt die flexible Druckplatte
Gegendruck- oder Transportelement führt den Wellpappenbogen durch das Druckwerk
Trocknung unterstützt das schnelle Trocknen der aufgetragenen Farbe

Die Rasterwalze ist ein besonders wichtiges Element. Anzahl, Form und Volumen ihrer Näpfchen beeinflussen, wie viel Farbe übertragen wird und ob sich das Druckwerk besser für große Farbflächen oder feine Motive eignet.

So läuft das Bedrucken eines Wellpappenbogens ab

Vor dem eigentlichen Druck muss das gewünschte Motiv technisch vorbereitet werden. Logos, Texte, Symbole und andere Gestaltungselemente werden für die verwendeten Druckfarben getrennt und anschließend auf flexible Druckplatten übertragen.

Danach beginnt die Produktion.

1. Wellpappenbogen zuführen

Die unbedruckten Wellpappenbogen werden in den Maschineneinzug gelegt und einzeln zugeführt. Eine genaue Ausrichtung ist erforderlich, damit das Druckmotiv an der vorgesehenen Position erscheint.

2. Druckfarbe dosieren

Die Rakelkammer versorgt die Rasterwalze mit Farbe. Die Rasterwalze nimmt eine definierte Farbmenge auf und überträgt sie gleichmäßig an die Druckplatte.

3. Motiv auf die Wellpappe übertragen

Die flexible Druckplatte dreht sich auf dem Druckformzylinder. Ihre erhöhten Bereiche nehmen die Farbe auf und übertragen das Motiv auf das Deckpapier der Wellpappe.

Dabei muss der Druck ausreichend hoch sein, damit ein sauberes Druckbild entsteht. Gleichzeitig darf die Wellenstruktur nicht unnötig zusammengedrückt werden.

4. Weitere Farben drucken

Bei einem mehrfarbigen Motiv durchläuft der Bogen mehrere Druckwerke. In jedem Druckwerk wird eine weitere Farbe aufgetragen.

Die einzelnen Farbauszüge müssen sehr genau zueinander ausgerichtet sein. Diese Übereinstimmung wird als Registerhaltigkeit bezeichnet.

5. Farbe trocknen und Druckbild prüfen

Nach dem Farbauftrag muss die Druckfarbe trocknen. Je nach Maschine, Farbe und Druckmotiv kann dies durch Luftführung oder ein zusätzliches Trocknungssystem unterstützt werden.

Anschließend wird kontrolliert, ob Farbe, Motivposition und Druckqualität den Vorgaben entsprechen.

Vom Druckmotiv zur bedruckten Verpackung

Prozessablauf beim Bedrucken und Stanzen von Wellpappenbogen

Das Bedrucken kann als eigener Produktionsschritt oder gemeinsam mit weiteren Bearbeitungen erfolgen.

Moderne Produktionslinien können mehrere Arbeitsschritte verbinden:

  • Wellpappenbogen zuführen
  • ein- oder mehrfarbig bedrucken
  • Druckfarbe trocknen
  • Schlitzen und Rillen
  • Konturen ausstanzen
  • Stanzabfälle entfernen
  • Zuschnitte zählen und stapeln

Bei einer kombinierten Flexodruck-Rotationsstanze werden die Wellpappenbogen beispielsweise in einem Durchlauf bedruckt und gestanzt. Dadurch lassen sich Verpackungen mit Logos, Grifföffnungen, Lüftungslöchern, Rilllinien und Steckverschlüssen effizient herstellen.

Welche Farben werden verwendet?

Beim Flexodruck auf Wellpappe kommen häufig wasserbasierte Druckfarben zum Einsatz. Sie trocknen vergleichsweise schnell und eignen sich gut für saugfähige Oberflächen aus Papier.

Möglich sind unter anderem:

  • schwarze Aufdrucke
  • ein- oder mehrfarbige Firmenlogos
  • definierte Sonderfarben
  • farbige Flächen
  • Raster und Farbverläufe
  • mehrfarbige Produktabbildungen

Ein einfarbiger Aufdruck wird häufig für Transport- und Versandverpackungen verwendet. Verkaufsverpackungen, Displays und Shelf-Ready-Verpackungen können dagegen deutlich aufwendiger gestaltet werden.

Die tatsächlich erreichbare Druckwirkung hängt auch von der Farbe des Deckpapiers ab. Auf einer weißen Außendecke wirken Farben in der Regel heller und kontrastreicher als auf braunem Kraftpapier.

Was kann auf Wellpappe gedruckt werden?

Flexodruck eignet sich sowohl für funktionale Kennzeichnungen als auch für werbliche Gestaltungen.

Typische Druckelemente sind:

  • Firmenname und Logo
  • Produktbezeichnung
  • Artikelnummern
  • Recyclingzeichen
  • Warn- und Gefahrensymbole
  • Hinweise zur Lagerung
  • Transport- und Handhabungssymbole
  • Aufbauanleitungen
  • Barcodes und QR-Codes
  • farbige Werbemotive
  • Hinweise für den Einzelhandel

Bei Barcodes und QR-Codes müssen Größe, Kontrast, Druckrichtung und Oberflächenqualität besonders sorgfältig geplant werden. Nur ein sauber gedruckter Code kann später zuverlässig erfasst werden.

Postprint und Preprint: Was ist der Unterschied?

Beim Bedrucken von Wellpappe wird zwischen Postprint und Preprint unterschieden.

Postprint oder Preprint

Flexo-Postprint

Beim Postprint wird der bereits hergestellte Wellpappenbogen direkt bedruckt. Dies ist das Verfahren, das auf dieser Seite hauptsächlich beschrieben wird.

Vorteile des Postprints:

  • direktes Bedrucken fertiger Wellpappenbogen
  • Verbindung mit Stanzen und Rillen möglich
  • geeignet für viele Verpackungsformate
  • wirtschaftliche Herstellung mittlerer und großer Auflagen
  • schneller Weg vom unbedruckten Bogen zum fertigen Zuschnitt

Da auf die fertige Wellpappe gedruckt wird, müssen Druckdruck und Bogenführung sorgfältig eingestellt werden. Ein zu hoher Druck kann die Wellenstruktur abzeichnen oder zusammendrücken.

Flexo-Preprint

Beim Preprint wird zunächst die Papierbahn bedruckt, die später als Außendecke der Wellpappe dient. Erst nach dem Drucken wird dieses Papier in der Wellpappenanlage mit Wellen- und Innenpapier verbunden.

Da die Papierbahn beim Druck noch eben ist, sind hochwertige und gleichmäßige Druckergebnisse möglich. Das Verfahren wird häufig für große, wiederkehrende Produktionsmengen eingesetzt.

Der Preprint erfordert allerdings eine genaue Abstimmung zwischen Druckbild, Papierbahn, Wellpappenherstellung und späterem Zuschnitt.

Was beeinflusst die Druckqualität?

Ein gutes Druckergebnis entsteht aus dem Zusammenspiel von Maschine, Druckfarbe, Druckplatte und Wellpappe.

Wichtige Einflussfaktoren sind:

Oberfläche des Deckpapiers

Eine glatte, gleichmäßige Oberfläche ermöglicht feinere Linien und eine gleichmäßigere Farbübertragung. Stark saugende oder raue Papiere können das Druckbild beeinflussen.

Farbe des Papiers

Auf weißen Papieren entstehen andere Farbwirkungen als auf braunen Papieren. Bei der Gestaltung sollte die Eigenfarbe der Wellpappe von Anfang an berücksichtigt werden.

Wellenart und Materialdicke

Die Wellenart beeinflusst die Oberfläche und das Verhalten des Bogens im Druckwerk. Bei bestimmten Materialkombinationen kann sich die Wellenstruktur im Druckbild abzeichnen. Dies wird teilweise als Waschbrett- oder Fluting-Effekt bezeichnet.

Druckplatte und Rasterwalze

Druckplatte und Rasterwalze müssen zum Motiv passen. Große Vollflächen benötigen eine andere Farbdosierung als feine Schrift, Rasterbilder oder kleine Symbole.

Anpressdruck

Zu wenig Druck führt zu unvollständigen Motiven. Zu hoher Druck kann Linien verbreitern, Rasterpunkte vergrößern oder die Wellpappe zusammendrücken.

Registergenauigkeit

Bei mehrfarbigen Motiven müssen die einzelnen Farben exakt übereinanderliegen. Abweichungen können zu unscharfen Konturen oder sichtbaren Farbsäumen führen.

Zustand der Maschine

Saubere Rasterwalzen, Druckplatten und Rakelsysteme sind entscheidend für eine gleichmäßige Farbübertragung. Eingetrocknete Farbreste können die Näpfchen der Rasterwalze verschließen und dadurch das Druckergebnis verändern.

Vorteile des Flexodrucks auf Wellpappe

Der Flexodruck ist in der Wellpappenindustrie weit verbreitet, weil er hohe Produktionsleistung mit vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten verbindet.

Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:

  • schnelle Verarbeitung großer Wellpappenbogen
  • ein- und mehrfarbige Druckmotive möglich
  • geeignet für braune und weiße Deckpapiere
  • gute Darstellung von Logos, Texten und Symbolen
  • große Druckflächen möglich
  • häufige Verwendung wasserbasierter Farben
  • Kombination mit Stanzen und Rillen möglich
  • gute Wiederholbarkeit bei Nachbestellungen
  • wirtschaftlich bei wiederkehrenden und größeren Auflagen

Durch moderne Druckplatten, Rasterwalzen, Farbversorgung und Registersteuerung hat sich die erreichbare Druckqualität deutlich weiterentwickelt. Neben einfachen Strichmotiven sind heute auch anspruchsvollere Raster, Verläufe und mehrfarbige Verpackungsgestaltungen möglich.

Grenzen des Flexodrucks

Für jede Druckaufgabe müssen passende Druckplatten hergestellt und die Maschine eingerichtet werden. Bei sehr kleinen Stückzahlen oder häufig wechselnden Motiven können diese Vorbereitungen stärker ins Gewicht fallen.

Für personalisierte Verpackungen, laufend wechselnde Druckdaten oder sehr kleine Auflagen kann der Digitaldruck eine Alternative sein. Für besonders hochwertige fotorealistische Motive kommen außerdem kaschierte, zuvor im Offsetdruck bedruckte Papiere infrage.

Welches Verfahren geeignet ist, hängt unter anderem ab von:

  • gewünschter Auflage
  • Anzahl der Druckfarben
  • Motiv und Detailgrad
  • verwendeter Wellpappe
  • Anforderungen an die Farbwirkung
  • späterer Weiterverarbeitung
  • benötigter Wiederholgenauigkeit

Vom bedruckten Bogen zum Karton

Nach dem Bedrucken ist der Wellpappenbogen noch keine fertige Verpackung. Je nach Konstruktion folgen weitere Verarbeitungsschritte.

Der Bogen kann anschließend:

  • geschlitzt und gerillt,
  • mit einer Rotationsstanze verarbeitet,
  • mit einer Flachbettstanze ausgestanzt,
  • gefaltet,
  • geklebt oder
  • geheftet werden.

So entsteht aus einem unbedruckten Wellpappenbogen eine funktionale Versand-, Transport- oder Verkaufsverpackung.

Bedruckte Verpackungen richtig auswählen

Ein Aufdruck kann eine Verpackung eindeutig kennzeichnen, die Logistik vereinfachen und das Erscheinungsbild einer Marke stärken. Bereits ein einfaches Firmenlogo macht aus einem neutralen Karton eine individuell erkennbare Verpackung.

Bei der Planung sollten Produkt, Verpackungskonstruktion, Wellpappenqualität und Druckmotiv gemeinsam betrachtet werden. Nur wenn alle Bestandteile aufeinander abgestimmt sind, entsteht eine stabile Verpackung mit einem sauberen Druckbild.

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