Verarbeitung von Wellpappe mit der Rotationsstanze

Wellpappe lässt sich nicht nur zu einfachen Faltkartons verarbeiten. Für Verpackungen mit Grifföffnungen, Sichtfenstern, Lüftungslöchern, Steckverschlüssen oder besonderen Konturen wird die Wellpappe gestanzt.

Eine häufig eingesetzte Maschine ist die Rotationsstanze. Sie verarbeitet Wellpappenbogen schnell und kontinuierlich zu präzisen Stanzzuschnitten. Das Verfahren eignet sich besonders für die wirtschaftliche Herstellung größerer Stückzahlen und kann häufig mit dem Bedrucken der Verpackung kombiniert werden.

Was ist eine Rotationsstanze?

Eine Rotationsstanze ist eine Maschine zum Schneiden, Rillen und Perforieren von Wellpappe. Ihr Name leitet sich von der rotierenden Bewegung des Stanzwerkzeugs ab.

Das Werkzeug wird auf einem zylinderförmigen Stanzkörper befestigt. Während sich dieser Zylinder dreht, läuft der Wellpappenbogen zwischen dem Werkzeugzylinder und einem gegenüberliegenden Gegendruckzylinder hindurch.

Dabei können in einem Arbeitsgang unterschiedliche Bearbeitungen erfolgen:

  • Außenkonturen ausstanzen
  • Öffnungen und Aussparungen herstellen
  • Griff- und Lüftungslöcher einarbeiten
  • Rilllinien zum späteren Falten erzeugen
  • Perforationen und Aufreißhilfen anlegen
  • Klebelaschen und Steckverbindungen formen

Aus einem flachen Wellpappenbogen entsteht so ein passgenauer Stanzzuschnitt, der anschließend gefaltet, geklebt oder aufgerichtet werden kann.

So funktioniert das Rotationsstanzen

So arbeitet die Rotationsstanze

Der Bearbeitungsprozess besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten.

1. Zuführen der Wellpappenbogen

Die flachen Wellpappenbogen werden dem Einzug der Maschine zugeführt. Eine genaue Ausrichtung ist wichtig, damit Druckbild, Stanzkontur und Rilllinien später an der vorgesehenen Position liegen.

Moderne Anlagen transportieren die Bogen kontrolliert durch die einzelnen Bearbeitungsstationen. Eine gleichmäßige Zuführung trägt dazu bei, Maßabweichungen und unnötigen Ausschuss zu vermeiden.

2. Bedrucken der Wellpappe

Viele Rotationsstanzen sind mit vorgeschalteten Flexodruckwerken verbunden. Dadurch kann die Wellpappe vor dem Stanzen bedruckt werden.

Mögliche Druckelemente sind beispielsweise:

  • Firmenlogos
  • Produktbezeichnungen
  • Warn- und Versandsymbole
  • Barcodes
  • Recyclinghinweise
  • Aufbauanleitungen
  • farbige Verkaufs- und Werbegestaltungen

Bedrucken und Stanzen können bei entsprechenden Maschinen in einem einzigen Durchlauf erfolgen. Solche kombinierten Anlagen werden häufig als Flexodruck-Rotationsstanzen bezeichnet. Maschinenhersteller wie BOBST und Koenig & Bauer beschreiben Anlagen, die Flexodruck und Rotationsstanzen in einer Produktionslinie verbinden.

3. Stanzen und Rillen

Prinzip der Rotationsstanze

Das Herzstück der Maschine ist das Rotationsstanzwerk. Das Stanzwerkzeug befindet sich auf einem rotierenden Zylinder und läuft gegen einen zweiten Zylinder, den sogenannten Amboss- oder Gegendruckzylinder.

Im Werkzeug befinden sich unterschiedliche Elemente:

  • Schneidlinien trennen die gewünschte Kontur aus dem Bogen.
  • Rilllinien drücken definierte Faltlinien in die Wellpappe.
  • Perforierlinien erzeugen kontrolliert aufreißbare Bereiche.
  • Auswerfgummis lösen den Zuschnitt nach dem Stanzen vom Werkzeug.

Schneid- und Rillvorgänge erfolgen während der kontinuierlichen Bewegung des Bogens. Im Gegensatz zur Flachbettstanze muss die Wellpappe für jeden Stanzhub nicht vollständig zum Stillstand kommen.

Warum wird Wellpappe gerillt?

Eine Rilllinie ist kein vollständiger Schnitt. Sie verdichtet die Wellpappe an einer bestimmten Stelle und schafft dadurch eine kontrollierte Faltkante.

Ohne eine geeignete Rillung könnte die Wellpappe beim Falten unkontrolliert knicken, an der Oberfläche einreißen oder ihre vorgesehene Form nicht erreichen. Die Rillung erleichtert deshalb das spätere Aufrichten und Verkleben der Verpackung.

Ihre Ausführung muss unter anderem auf folgende Faktoren abgestimmt werden:

  • Dicke der Wellpappe
  • verwendete Wellenart
  • Laufrichtung des Materials
  • Anzahl der Wellpappenschichten
  • gewünschte Faltung
  • Konstruktion der Verpackung

Entfernen der Stanzabfälle

Nach dem Stanzen müssen die nicht benötigten Teile vom eigentlichen Zuschnitt getrennt werden. Dazu gehören beispielsweise ausgestanzte Grifföffnungen, Lüftungslöcher und Randabschnitte.

Je nach Maschinenausstattung werden diese Stanzabfälle direkt in der Produktionslinie entfernt. Anschließend werden die fertigen Zuschnitte gezählt, gestapelt oder zu Bündeln zusammengefasst.

Die Zuschnitte können danach entweder ausgeliefert oder in weiteren Maschinen verarbeitet werden. An einer Faltschachtelklebemaschine werden sie beispielsweise gefaltet und an den vorgesehenen Klebelaschen verklebt.

Welche Verpackungen werden rotationsgestanzt?

Das Rotationsstanzen ist vielseitig einsetzbar. Typische Produkte sind:

  • gestanzte Versandkartons
  • Trays und offene Verpackungsschalen
  • Obst- und Gemüseverpackungen
  • Getränkeverpackungen
  • Regal- und Verkaufsverpackungen
  • Shelf-Ready-Verpackungen
  • Transportverpackungen mit Grifföffnungen
  • Verpackungen mit Steckverschluss
  • E-Commerce-Verpackungen
  • Displays und Präsentationsverpackungen

Besonders häufig wird das Verfahren eingesetzt, wenn ein Karton mehr benötigt als einfache Schlitze und geradlinige Faltklappen.

Vorteile des Rotationsstanzens

Der größte Vorteil einer Rotationsstanze ist die hohe Produktionsleistung. Da die Wellpappenbogen kontinuierlich durch die Maschine laufen, lassen sich große Stückzahlen in vergleichsweise kurzer Zeit herstellen.

Weitere Vorteile sind:

  • hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit
  • gute Wiederholgenauigkeit
  • wirtschaftliche Herstellung größerer Auflagen
  • Stanzen, Rillen und Perforieren in einem Durchgang
  • Kombination mit mehreren Flexodruckwerken möglich
  • Herstellung komplexer Verpackungskonturen
  • automatisierte Entfernung von Stanzabfällen
  • nachgeschaltetes Zählen, Bündeln und Palettieren möglich

Moderne Hochleistungsanlagen verbinden mehrere Arbeitsschritte miteinander. Dadurch können Bedrucken, Stanzen, Ausbrechen und Stapeln innerhalb einer durchgängigen Produktionslinie erfolgen.

Grenzen des Rotationsstanzens

Nicht für jede Verpackung und Auflagenhöhe ist das Rotationsstanzen automatisch die beste Lösung.

Vor Produktionsbeginn muss ein passendes Rotationsstanzwerkzeug angefertigt und eingerichtet werden. Die dafür entstehenden Kosten verteilen sich bei größeren Stückzahlen auf viele Verpackungen. Bei sehr kleinen Auflagen können Werkzeug- und Rüstkosten dagegen stärker ins Gewicht fallen.

Außerdem müssen Maschineneinstellung und Werkzeug genau auf die Wellpappenqualität abgestimmt sein. Ein zu hoher Druck kann die Wellenstruktur zusammendrücken und dadurch die Stabilität der Verpackung beeinträchtigen.

Bei sehr feinen Konturen, besonders hohen Anforderungen an die Schnittgenauigkeit oder bestimmten kaschierten Materialien kann eine Flachbettstanze geeigneter sein. Welche Technik sinnvoll ist, hängt von Konstruktion, Material, Stückzahl und gewünschter Qualität ab.

Rotationsstanze und Wellpappenqualität

Ein sauberer Stanzzuschnitt ist nicht allein von der Maschine abhängig. Auch die Eigenschaften der Wellpappe beeinflussen das Ergebnis.

Wichtige Faktoren sind:

  • Wellenart und Materialdicke
  • einwellige oder zweiwellige Ausführung
  • Feuchtigkeitsgehalt der Wellpappe
  • Oberflächenbeschaffenheit
  • Qualität und Zustand des Stanzwerkzeugs
  • Stanzdruck und Maschinengeschwindigkeit
  • genaue Abstimmung von Druckbild und Stanzkontur

Eine hochwertige Verpackung entsteht deshalb aus dem Zusammenspiel von geeignetem Material, passender Konstruktion, präzisem Werkzeug und richtig eingestellter Maschine.

Rotationsstanze oder Flachbettstanze?

Bei der Rotationsstanze läuft der Wellpappenbogen zwischen zwei rotierenden Zylindern hindurch. Das ermöglicht eine kontinuierliche und besonders schnelle Verarbeitung.

Bei einer Flachbettstanze wird der Bogen dagegen zwischen einer ebenen Stanzform und einer Druckplatte bearbeitet. Dieses Verfahren bietet andere Vorteile, insbesondere bei anspruchsvollen Konturen und hohen Anforderungen an die Stanzgenauigkeit.

Welche Stanztechnik besser geeignet ist, lässt sich daher nicht pauschal beantworten:

Rotationsstanze Flachbettstanze
kontinuierliche Verarbeitung bogenweiser Stanzvorgang
sehr hohe Produktionsleistung besonders präzise Bearbeitung
häufig mit Flexodruck kombiniert gut für komplexe Feinstanzungen
vorteilhaft bei größeren Auflagen flexibel bei anspruchsvollen Aufträgen

Die Verarbeitung mit der Flachbettstanze wird auf einer eigenen Informationsseite ausführlich erklärt.

Vom Wellpappenbogen zur fertigen Verpackung

Nach dem Rotationsstanzen liegt die Verpackung zunächst als flacher Stanzzuschnitt vor. Abhängig von der Konstruktion folgen weitere Arbeitsschritte:

  1. Stanzabfälle vollständig entfernen
  2. Zuschnitt kontrollieren
  3. Faltstellen vorbrechen
  4. Klebelaschen verkleben
  5. Karton zusammenlegen oder aufrichten
  6. bündeln und für den Versand vorbereiten

Ein Teil dieser Verarbeitung kann an einer Faltschachtelklebemaschine erfolgen. Dort werden die Stanzzuschnitte automatisch gefaltet, geklebt und für die weitere Verwendung vorbereitet.

Verpackungen aus Wellpappe bei RM-Pack

Die Rotationsstanze ermöglicht die Herstellung zahlreicher funktionaler Verpackungslösungen – vom einfachen Karton mit Grifföffnung bis zur aufwendig bedruckten Verkaufsverpackung.

Welche Verpackung geeignet ist, hängt vom Produkt, dem Gewicht, dem Transportweg und der benötigten Schutzwirkung ab. Entdecken Sie bei RM-Pack verschiedene Kartons und Verpackungsmaterialien für Versand, Transport und Lagerung.

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