Der Kreislauf der Wellpappe – Recycling einfach erklärt
Wellpappe schützt Waren während Transport und Lagerung. Nach ihrem Gebrauch ist sie jedoch kein wertloser Abfall: Richtig getrennt und über das Altpapier entsorgt, wird sie zu einem wichtigen Rohstoff für die Herstellung neuer Papier- und Wellpappenprodukte.
Der Kreislauf der Wellpappe führt von der gebrauchten Verpackung über Sammlung, Sortierung und Papierherstellung zurück zu neuen Versandkartons. Entscheidend dafür ist, dass leere und möglichst saubere Kartons richtig entsorgt werden.
So funktioniert der Wellpappenkreislauf

Der Kreislauf lässt sich in sechs Schritte unterteilen:
- Verpacken und nutzen
- Verpackungen leeren und flach machen
- Altpapier getrennt sammeln
- Papier und Pappe sortieren
- Papierfasern aufbereiten
- Neues Rohpapier und neue Wellpappe herstellen
1. Wellpappe schützt Waren
Am Anfang steht die Nutzung als Transport- oder Versandverpackung. Kartons aus Wellpappe schützen Produkte vor Stößen, Verschmutzung und anderen Belastungen auf dem Weg vom Hersteller zum Empfänger.
Je nach Gewicht und Empfindlichkeit der Ware kommen einwellige, zweiwellige oder speziell konstruierte Verpackungen zum Einsatz. Nach dem Auspacken kann ein unbeschädigter Karton zunächst weiterverwendet werden. Ist eine erneute Nutzung nicht mehr sinnvoll, beginnt der Recyclingprozess.
2. Kartons leeren und flach machen
Vor der Entsorgung sollten Kartons vollständig geleert und flach zusammengelegt werden. Das spart Platz in der Altpapiertonne und erleichtert Sammlung und Transport.
Größere Mengen an Fremdmaterial sollten entfernt werden. Dazu gehören beispielsweise:
- Folien und Kunststoffbeutel,
- Styropor und Schaumstoff,
- Luftpolsterfolie,
- Kunststoffbänder,
- Metallklammern, soweit leicht entfernbar,
- größere Mengen Klebeband,
- Füllmaterial aus anderen Werkstoffen.
Kleine Etiketten oder geringe Klebebandreste können in den Aufbereitungsanlagen häufig ausgeschieden werden. Je weniger Fremdstoffe in das Altpapier gelangen, desto einfacher und hochwertiger ist jedoch die Wiederverwertung.
3. Wellpappe getrennt sammeln
Gebrauchte Wellpappe wird gemeinsam mit Papier und Karton über die kommunale oder gewerbliche Altpapiersammlung erfasst.
In privaten Haushalten erfolgt die Rückgabe normalerweise über die Altpapiertonne oder einen Wertstoffhof. In Handel, Industrie und Versandunternehmen werden größere Mengen häufig separat gesammelt, gepresst und an Entsorgungsunternehmen übergeben.
Die genauen Entsorgungsregeln können regional unterschiedlich sein. Im Zweifel gelten die Hinweise des örtlichen Entsorgungsbetriebs.
4. Sortieren und Störstoffe entfernen
Das gesammelte Altpapier gelangt zunächst in Sortier- und Aufbereitungsanlagen. Dort werden ungeeignete Bestandteile und Fremdmaterialien entfernt.
Je nach Anlage und Papierqualität kommen unterschiedliche mechanische und automatische Sortierverfahren zum Einsatz. Ziel ist ein möglichst sauberer Rohstoff, der anschließend in der Papierfabrik weiterverarbeitet werden kann.
Stark verschmutzte, durchnässte oder mit Lebensmittelresten verunreinigte Verpackungen können den Recyclingprozess erschweren. Auch dauerhaft beschichtete oder aus mehreren fest verbundenen Werkstoffen bestehende Verpackungen benötigen gegebenenfalls besondere Aufbereitungsverfahren.
5. Altpapier wird zu neuem Rohpapier
In der Papierfabrik wird das sortierte Altpapier mit Wasser vermischt und mechanisch aufgelöst. Dadurch lösen sich die Verbindungen zwischen den einzelnen Papierfasern.
Der entstandene Faserbrei wird anschließend in mehreren Schritten gereinigt. Dabei werden beispielsweise Klebstoffreste, Kunststoffteilchen, Drähte und andere unerwünschte Bestandteile entfernt.
Nach der Aufbereitung wird der Faserstoff auf einer Papiermaschine zu einer neuen Papierbahn verarbeitet. Das Wasser wird entzogen, das Papier gepresst, getrocknet und schließlich auf große Rollen aufgewickelt.
So entstehen neue Wellpappenrohpapiere wie Testliner oder Wellenstoff.
6. Aus Rohpapier entsteht neue Wellpappe
Die Papierrollen gelangen anschließend in ein Wellpappenwerk. Dort wird eine Papierbahn durch beheizte Riffelwalzen in die typische Wellenform gebracht und mit glatten Deckpapieren verklebt.
Aus den fertigen Wellpappenbogen entstehen durch Schneiden, Rillen, Stanzen, Bedrucken und Verkleben neue Kartons und Versandverpackungen. Nach ihrer Nutzung können auch diese Verpackungen wieder gesammelt und dem Altpapierkreislauf zugeführt werden.
Damit schließt sich der Kreislauf.
Aktuelle Zahlen zum Recycling von Wellpappe
Nach Angaben des Verbands der Wellpappen-Industrie weist Wellpappe in Deutschland eine Recyclingquote von 95,3 Prozent auf. Der Wert wurde von der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung für das Jahr 2023 ermittelt.
Bei den deutschen VDW-Mitgliedsunternehmen werden nach Verbandsangaben im Durchschnitt mehr als 80 Prozent Recyclingpapiere für die Herstellung von Wellpappe eingesetzt. Der Bezugsstand dieser Angabe ist 2025.
Eine vom bifa Umweltinstitut ausgewertete wissenschaftliche Faktenbasis kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Papierfasern den Recyclingprozess mehr als 20-mal durchlaufen können.
Solche Kennzahlen sollten auf der Website immer zusammen mit Quelle und Bezugsjahr genannt werden, damit die Aussagen nachvollziehbar bleiben.
Warum werden trotzdem Frischfasern benötigt?
Beim Sammeln, Sortieren und Aufbereiten gehen zwangsläufig Fasern verloren. Außerdem werden Papierfasern durch wiederholte Verwendung und mechanische Beanspruchung teilweise kürzer.
Frischfasern ergänzen deshalb den Faserstrom und helfen dabei, bestimmte technische Eigenschaften zu erhalten. Sie werden beispielsweise für besonders reißfeste Deckenpapiere wie Kraftliner eingesetzt.
Recycling- und Frischfasern sind daher keine vollständig voneinander getrennten Systeme. Beide sind Bestandteile eines gemeinsamen Papierkreislaufs.
Was bedeutet das RESY-Zeichen?
Auf vielen Transport- und Umverpackungen aus Papier oder Wellpappe befindet sich das RESY-Zeichen. Es besteht aus drei Pfeilen und einer individuellen Kennnummer.
Das Zeichen steht für die Recyclingfähigkeit der gekennzeichneten Verpackung und für die Teilnahme des Herstellers an einem organisierten Rücknahmesystem für Transport- und Umverpackungen aus Papier, Pappe und Karton.
Es ersetzt jedoch nicht die richtige Mülltrennung. Damit die Fasern erneut genutzt werden können, muss die Verpackung tatsächlich über die vorgesehene Altpapiersammlung zurückgegeben werden.
Was gehört nicht ins Altpapier?
Nicht jede papierähnliche Verpackung eignet sich automatisch für die Altpapiertonne. Problematisch können unter anderem sein:
- stark verschmutzte oder fettige Kartons,
- vollständig durchnässte Verpackungen,
- Verbundmaterialien mit fest verbundenen Kunststoff- oder Aluminiumschichten,
- beschichtete Lebensmittelverpackungen,
- Füll- und Polstermaterial aus Kunststoff,
- Versandtaschen mit nicht entfernbarer Kunststoffpolsterung.
Bei unklaren Materialien sollten die örtlichen Entsorgungshinweise beachtet werden.
Häufige Fragen zum Wellpappenrecycling
Wie entsorgt man Wellpappe richtig?
Leere und möglichst saubere Wellpappenverpackungen gehören normalerweise ins Altpapier. Kartons sollten flach zusammengelegt und größere Fremdmaterialien vorher entfernt werden.
Darf Klebeband am Karton bleiben?
Kleine Klebebandreste können in vielen Aufbereitungsanlagen entfernt werden. Große Mengen Klebeband und leicht lösbare Kunststoffbestandteile sollten jedoch vor der Entsorgung abgenommen werden.
Können nasse Kartons recycelt werden?
Leicht feuchte Wellpappe kann trocknen und anschließend entsorgt werden. Vollständig durchnässte, verschmutzte oder bereits zerfallende Kartons sind für die Altpapiersammlung häufig ungeeignet. Maßgeblich sind die regionalen Entsorgungsvorgaben.
Wie oft können Papierfasern recycelt werden?
Nach der vom VDW zitierten Faktenbasis des bifa Umweltinstituts können die Fasern in Wellpappe mehr als 20 Recyclingzyklen durchlaufen. Im Kreislauf werden sie durch neue Fasern ergänzt.
Ist jede Wellpappenverpackung recyclingfähig?
Unbeschichtete Wellpappe lässt sich grundsätzlich gut über den Altpapierkreislauf erfassen. Beschichtungen, starke Verschmutzungen oder fest verbundene Fremdmaterialien können die Wiederverwertung erschweren.