Herstellung von Wellpappe – vom Papier zum Versandkarton
Wellpappe ist leicht, stabil und vielseitig einsetzbar. Doch wie wird aus glatten Papierbahnen das charakteristische Verpackungsmaterial mit seiner gewellten Struktur?
Die Herstellung von Wellpappe erfolgt auf einer sogenannten Wellpappenanlage. Dort werden mehrere Papierbahnen unter dem Einfluss von Wärme, Feuchtigkeit und Druck geformt und miteinander verklebt. Anschließend wird die fertige Wellpappe zugeschnitten und zu Kartons, Versandverpackungen oder anderen Verpackungslösungen weiterverarbeitet.
Woraus wird Wellpappe hergestellt?
Der wichtigste Rohstoff ist Wellpappenrohpapier. Abhängig von der gewünschten Qualität kommen verschiedene Papiersorten zum Einsatz:
- Deckenpapiere bilden die glatten Innen- und Außenflächen.
- Wellenpapiere werden in die charakteristische Wellenform gebracht.
- Zwischenpapiere trennen bei mehrwelliger Wellpappe die einzelnen Wellenbahnen.
Zu den häufig verwendeten Rohpapieren gehören Kraftliner, Testliner und Wellenstoff. Sie können je nach Sorte aus Primärfasern, Recyclingfasern oder einer Kombination verschiedener Faserstoffe bestehen.
Welche Papiere verwendet werden, beeinflusst unter anderem die Stabilität, Feuchtigkeitsbeständigkeit, Bedruckbarkeit und Belastbarkeit der späteren Verpackung.
Wie wird Wellpappe hergestellt?
Die Herstellung erfolgt in mehreren aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten.

1. Papierrollen werden bereitgestellt
Am Anfang der Wellpappenanlage befinden sich große Rollen mit Decken- und Wellenpapier. Die benötigten Papierbahnen werden kontinuierlich von den Rollen abgewickelt.
Damit die Produktion beim Wechsel einer Rolle möglichst nicht unterbrochen werden muss, können moderne Anlagen das Ende der laufenden Papierbahn automatisch mit dem Anfang einer neuen Rolle verbinden. Diese Einrichtung wird als Splicer bezeichnet.
2. Das Papier wird erwärmt und befeuchtet
Bevor das Wellenpapier geformt werden kann, wird es kontrolliert erwärmt und befeuchtet. Dadurch werden die Papierfasern elastischer und lassen sich leichter in eine dauerhafte Wellenform bringen.
Temperatur und Feuchtigkeit müssen genau auf das verwendete Papier abgestimmt sein. Ist das Papier zu trocken oder zu feucht, können Verformungen, schlechte Verklebungen oder Beschädigungen entstehen.
3. Die Welle entsteht im Wellenaggregat
Das vorbereitete Papier läuft durch zwei beheizte, ineinandergreifende Riffelwalzen. Durch Wärme und Druck prägen die Walzen die gewünschte Wellenform in die Papierbahn.
Die Riffelung der Walzen bestimmt, welche Wellenart entsteht. Je nach Wellenhöhe und Wellenteilung unterscheidet man beispielsweise zwischen A-, B-, C- und E-Welle.
Gröbere Wellen bieten normalerweise eine stärkere Polsterwirkung. Feinere Wellen erzeugen eine gleichmäßigere Oberfläche und eignen sich häufig besser für kompakte oder hochwertig bedruckte Verpackungen.
4. Wellenpapier und Deckpapier werden verklebt
Nach dem Formen wird auf die Spitzen der Wellen eine genau dosierte Menge Klebstoff aufgetragen. Dafür wird in der Regel ein Klebstoff auf Basis pflanzlicher Stärke verwendet.
Anschließend wird die gewellte Papierbahn mit einer glatten Papierbahn verbunden. Wärme sorgt dafür, dass der Stärkeklebstoff geliert und die Papierbahnen dauerhaft miteinander verklebt.
Das Ergebnis ist zunächst eine einseitig beklebte Wellpappe: Sie besteht aus einer glatten Papierbahn und einer daran befestigten Wellenbahn.
5. Die äußere Deckbahn wird ergänzt
Um einwellige Wellpappe herzustellen, wird die noch offene Seite der Welle mit einer zweiten glatten Papierbahn verklebt. Dadurch entsteht der typische dreilagige Aufbau:
- äußeres Deckenpapier,
- gewelltes Papier,
- inneres Deckenpapier.
Die Bahnen laufen gemeinsam durch die Heiz- und Zugpartie. Dort wird die Verklebung unter kontrollierter Wärme abgeschlossen.
6. Mehrwellige Wellpappe wird zusammengeführt
Für zweiwellige Wellpappe werden zwei einseitig beklebte Wellpappenbahnen miteinander und mit einer weiteren Deckbahn verbunden. Der fertige Aufbau besteht aus zwei gewellten und drei glatten Papierbahnen.
Dabei können unterschiedliche Wellenprofile kombiniert werden. Eine BC-Welle verbindet beispielsweise eine B-Welle mit einer C-Welle. So lassen sich die glattere Oberfläche einer feinen Welle und die Polsterwirkung einer höheren Welle miteinander kombinieren.
Dreiwellige Wellpappe wird nach demselben Grundprinzip aus drei Wellenbahnen und vier glatten Papierbahnen hergestellt. Sie kommt vor allem bei besonders hohen Belastungen zum Einsatz.
Aufbau der Wellpappe im Überblick
| Wellpappenart | Papierbahnen | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Einseitig beklebte Wellpappe | 2 | Rollenwellpappe, Zwischenlagen und Oberflächenschutz |
| Einwellige Wellpappe | 3 | Leichte bis mittelschwere Versandkartons |
| Zweiwellige Wellpappe | 5 | Schwere, empfindliche oder größere Versandgüter |
| Dreiwellige Wellpappe | 7 | Industriegüter und besonders hohe Belastungen |
Trocknen, Schneiden und Rillen
Nach dem Verkleben durchläuft die Wellpappenbahn die Trockenpartie. Wärme und kontrollierter Druck stabilisieren die Verklebung und sorgen dafür, dass die Wellpappe möglichst eben aus der Anlage kommt.
Anschließend wird die fortlaufende Bahn entsprechend dem jeweiligen Auftrag bearbeitet:
- Die Wellpappe wird in Längsrichtung geschnitten.
- Rilllinien für spätere Faltungen werden eingebracht.
- Ein Querschneider trennt die Bahn in einzelne Wellpappenbogen.
- Die fertigen Bogen werden gestapelt und zur Weiterverarbeitung transportiert.
Moderne Wellpappenanlagen können abhängig von Aufbau, Papierqualität und Auftrag mehrere hundert Meter Wellpappe pro Minute herstellen.
Von der Wellpappe zum Karton
Nach der eigentlichen Wellpappenherstellung beginnt die Weiterverarbeitung. Aus den flachen Bogen entstehen Versandkartons, Faltschachteln und andere Verpackungen.
Abhängig von der gewünschten Konstruktion kann die Wellpappe:
- bedruckt,
- gestanzt,
- geschlitzt,
- gerillt,
- gefaltet,
- geklebt oder
- geheftet werden.
Klassische Faltkartons werden flachliegend ausgeliefert und erst beim Verwender aufgerichtet. Das erleichtert Transport und Lagerung. Automatikkartons und Blitzbodenkartons erhalten dagegen eine besondere Konstruktion, durch die sie sich besonders schnell aufrichten lassen.
Qualitätskontrolle während der Herstellung
Die Qualität der fertigen Wellpappe hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die Rohpapiere, deren Feuchtigkeit, die Wellenform, der Klebstoffauftrag und die Temperaturführung.
Geprüft werden unter anderem:
- Dicke der Wellpappe,
- Feuchtigkeitsgehalt,
- Verklebungsqualität,
- Kantenstauchwiderstand,
- Berstfestigkeit,
- Durchstoßwiderstand,
- Maßhaltigkeit und Planlage.
Nur wenn Papier, Wellenprofil und Verarbeitung aufeinander abgestimmt sind, entsteht eine Verpackung, die den vorgesehenen Belastungen standhält.
Warum ist die Wellenform so stabil?
Die gewellte Papierbahn bildet zwischen den Deckpapieren zahlreiche kleine Bögen. Diese verteilen einwirkende Kräfte und halten die glatten Papierbahnen auf Abstand.
Dadurch entsteht eine leichte Konstruktion mit hoher Biege- und Druckfestigkeit. Gleichzeitig können die Hohlräume innerhalb der Welle Stöße abfedern und zu einer guten Polsterwirkung beitragen.
Häufige Fragen zur Herstellung von Wellpappe
Welcher Klebstoff wird bei Wellpappe verwendet?
Für die Verklebung der Papierbahnen wird üblicherweise ein Klebstoff auf Basis pflanzlicher Stärke eingesetzt. Er wird auf die Wellenspitzen aufgetragen und durch Wärme aktiviert.
Wie entsteht die Wellenform?
Das erwärmte und befeuchtete Wellenpapier läuft zwischen zwei beheizten Riffelwalzen hindurch. Deren ineinandergreifendes Profil prägt die gewünschte Wellenform in das Papier.
Was ist der Unterschied zwischen einwelliger und zweiwelliger Wellpappe?
Einwellige Wellpappe besteht aus einer Wellenbahn und zwei glatten Deckbahnen. Zweiwellige Wellpappe besitzt zwei Wellenbahnen und drei glatte Papierbahnen. Sie wird häufig für schwerere oder empfindlichere Waren verwendet.
Wird aus Wellpappe direkt ein Karton?
Zunächst produziert die Wellpappenanlage flache Wellpappenbogen. Diese werden anschließend bedruckt, gestanzt, gerillt, gefaltet und verklebt oder geheftet. Erst durch diese Weiterverarbeitung entsteht der fertige Karton.