Papiere der Wellpappenindustrie – Rohpapiere und Sorten erklärt

Wellpappe besteht aus mehreren miteinander verklebten Papierbahnen. Welche Stabilität, Bedruckbarkeit und Widerstandsfähigkeit ein Karton besitzt, hängt deshalb nicht nur von der Wellenart ab. Entscheidend sind auch die verwendeten Wellpappenrohpapiere.

Zu den wichtigsten Papiersorten der Wellpappenindustrie gehören Kraftliner, Testliner und Wellenstoff. Sie übernehmen unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Wellpappe und werden passend zum späteren Einsatzzweck miteinander kombiniert.

Wie ist Wellpappe aufgebaut?

Wellpappe besteht grundsätzlich aus glatten und gewellten Papierbahnen:

  • Deckenpapiere bilden die glatten Außen- und Innenflächen.
  • Wellenpapiere werden zu Wellen geformt und zwischen den Deckenpapieren verklebt.

Bei einwelliger Wellpappe befindet sich eine gewellte Papierbahn zwischen zwei glatten Deckbahnen. Zweiwellige Wellpappe besitzt zwei Wellenbahnen und insgesamt drei glatte Papierbahnen.

Die Auswahl und Kombination der Papiere beeinflusst unter anderem die Druckfestigkeit, Stapelfähigkeit, Reißfestigkeit, Feuchtigkeitsbeständigkeit und Bedruckbarkeit der fertigen Verpackung.

Deckenpapiere: Schutz und Stabilität von außen

Deckenpapiere werden in der Fachsprache auch als „Liner“ bezeichnet. Sie schützen die Welle, nehmen äußere Belastungen auf und bilden die sichtbare Oberfläche eines Kartons.

Kraftliner

Kraftliner ist ein besonders leistungsfähiges Deckenpapier mit einem hohen Anteil an Kraftzellstoff. Die langen und festen Fasern sorgen für eine hohe Reiß- und Berstfestigkeit.

Kraftliner wird häufig für Kartonagen verwendet, die starken Belastungen standhalten müssen. Dazu gehören beispielsweise schwere Versandgüter, Exportverpackungen oder Verpackungen, die während Transport und Lagerung erhöhten Beanspruchungen ausgesetzt sind.

Neben dem klassischen braunen Kraftliner gibt es verschiedene Ausführungen:

  • weiß gedeckter Kraftliner,
  • weiß gestrichener Kraftliner,
  • marmorierter beziehungsweise geflammter Kraftliner.

Weiße und gestrichene Oberflächen eignen sich besonders für Verpackungen, bei denen ein hochwertiges Druckbild oder eine ansprechende Präsentation gewünscht ist.

Testliner

Testliner ist ein Deckenpapier, das in der Regel überwiegend oder vollständig aus Recyclingfasern besteht. Durch eine mehrlagige Herstellung lassen sich eine gleichmäßige Oberfläche und definierte Festigkeitseigenschaften erreichen.

Je nach Qualität wird Testliner in unterschiedliche Leistungsklassen eingeteilt. Er kommt bei vielen klassischen Versandkartons und Transportverpackungen zum Einsatz und bietet eine wirtschaftliche Lösung für normale bis höhere Belastungen.

Auch Testliner ist in verschiedenen Oberflächen erhältlich, beispielsweise:

  • braun,
  • weiß gedeckt,
  • weiß gestrichen,
  • marmoriert oder geflammt.

Kraft Top Liner

Kraft Top Liner verbindet unterschiedliche Materialeigenschaften. Das mehrlagige Papier besteht überwiegend aus Recyclingfasern, besitzt aber eine Deckschicht mit einem hohen Anteil an Kraftfasern.

Dadurch kann es bessere Festigkeits- und Oberflächeneigenschaften als ein klassischer Testliner erreichen. Kraft Top Liner wird eingesetzt, wenn eine leistungsfähige Oberfläche gewünscht ist, ohne das gesamte Deckenpapier aus Kraftzellstoff herzustellen.

Schrenzpapier

Schrenzpapier wird aus sortiertem Altpapier hergestellt und besitzt meistens eine graue bis bräunliche Oberfläche. Sichtbare Fasern oder farbliche Unterschiede sind materialtypisch.

Es wird vor allem für weniger stark beanspruchte Verpackungen, als Zwischenlage oder als einfaches Pack- und Polsterpapier verwendet. Gegenüber Kraftliner und hochwertigen Testlinern besitzt Schrenzpapier eine geringere Reißfestigkeit und nimmt Feuchtigkeit schneller auf.

Wellenpapiere: das stabile Innere der Wellpappe

Das Wellenpapier bildet die charakteristische Wellenstruktur. Es muss sich gut verformen und verkleben lassen. Gleichzeitig muss es genügend Steifigkeit besitzen, um Druck aufzunehmen und die Deckbahnen auf Abstand zu halten.

Wellenstoff

Wellenstoff besteht überwiegend aus Recyclingfasern. Er wird während der Wellpappenherstellung unter Wärme und Druck in die gewünschte Wellenform gebracht.

Seine Steifigkeit und Druckfestigkeit tragen wesentlich dazu bei, dass ein Karton gestapelt werden kann und seine Form behält. Abhängig von der benötigten Leistung kommen verschiedene Qualitäten und Flächengewichte zum Einsatz.

Hochleistungswellenstoff

Hochleistungswellenstoff erfüllt höhere Anforderungen an die Steifigkeit und Druckfestigkeit als einfacher Wellenstoff. Durch eine geeignete Faserzusammensetzung und zusätzliche Hilfsstoffe lassen sich besonders belastbare Wellenpapiere herstellen.

Solche Papiere werden verwendet, wenn Kartonagen ein höheres Gewicht tragen oder bei Transport und Lagerung besonderen Belastungen widerstehen müssen.

Halbzellstoffpapier

Halbzellstoffpapier, auch „Semi Chemical Fluting“ genannt, wird aus chemisch-mechanisch aufgeschlossenem Zellstoff hergestellt. Es zeichnet sich durch eine hohe Steifigkeit und gute Widerstandsfähigkeit aus.

Aufgrund seiner Leistungsfähigkeit eignet es sich insbesondere für anspruchsvolle Transportverpackungen und Anwendungen, bei denen eine hohe Stabilität der Welle erforderlich ist.

Welche Eigenschaften bestimmen die Papierqualität?

Bei der Beurteilung von Wellpappenrohpapieren spielen verschiedene technische Merkmale eine Rolle:

  • Flächengewicht: Gewicht des Papiers in Gramm pro Quadratmeter
  • Berstfestigkeit: Widerstand gegen einen zunehmenden Druck auf die Papierfläche
  • Stauchwiderstand: Widerstand des Papiers gegen Druck auf die Kante
  • Flachstauchwiderstand: Belastbarkeit der geformten Welle
  • Wasseraufnahme: Gibt an, wie viel Feuchtigkeit ein Papier aufnimmt
  • Reißfestigkeit: Widerstand gegen das Ein- und Weiterreißen
  • Bedruckbarkeit: Eignung der Oberfläche für Schrift, Farben und Grafiken

Ein hohes Flächengewicht bedeutet dabei nicht automatisch, dass ein Karton für jeden Zweck besser geeignet ist. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Deckenpapier, Wellenpapier, Wellenart und Konstruktion.

Welches Papier eignet sich für welchen Karton?

Für leichte Waren und kurze Transportwege genügt häufig eine wirtschaftliche Wellpappe auf Recyclingfaserbasis. Schwere, empfindliche oder stark beanspruchte Produkte benötigen dagegen leistungsfähigere Papierkombinationen oder eine zweiwellige Konstruktion.

Auch das gewünschte Erscheinungsbild spielt eine Rolle: Braune Oberflächen wirken natürlich und funktional, während weiße oder gestrichene Deckenpapiere bessere Voraussetzungen für hochwertige Druckbilder und Präsentationsverpackungen bieten.

Die Qualität eines Versandkartons sollte deshalb immer zum Gewicht, zur Empfindlichkeit und zum vorgesehenen Versandweg der Ware passen.

Häufige Fragen zu Wellpappenrohpapieren

Was ist der Unterschied zwischen Kraftliner und Testliner?

Kraftliner besitzt einen hohen Kraftzellstoffanteil und ist besonders reißfest und belastbar. Testliner wird überwiegend aus Recyclingfasern hergestellt und ist eine wirtschaftliche Lösung für viele klassische Versandverpackungen.

Was ist Wellenstoff?

Wellenstoff ist das Papier, aus dem die Welle innerhalb der Wellpappe geformt wird. Er sorgt für Abstand zwischen den Deckbahnen, federt Belastungen ab und trägt zur Stapel- und Druckfestigkeit des Kartons bei.

Besteht Wellpappe nur aus Altpapier?

Viele Wellpappenrohpapiere werden überwiegend oder vollständig aus Recyclingfasern hergestellt. Für besonders hohe Anforderungen können jedoch auch Papiere mit Primärfasern wie Kraftliner oder Halbzellstoffpapier eingesetzt werden.

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